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Nagelfluhkette

In der Nagelfluhkette befindet sich das Ostertaltobel

Die Nagelfluhkette ist ein markanter Gebirgszug im westlichen Allgäu und stellt eine geologische sowie ökologische Besonderheit im Alpenraum dar. Ihren Namen verdankt sie dem sogenannten Nagelfluhgestein, einem Konglomerat aus rundgeschliffenen Steinen, Kieseln und Geröll, die durch natürlichen Zement miteinander verbunden sind. Dieses Gestein entstand vor mehreren Millionen Jahren, als mächtige Flüsse Geröll aus den aufragenden Alpen in ein Vorlandbecken transportierten. Im Laufe der Erdgeschichte wurden diese Ablagerungen verfestigt, angehoben und schließlich durch Erosion freigelegt, sodass heute die charakteristischen, oft schroffen Formen der Nagelfluhkette sichtbar sind.

Geografisch liegt die Nagelfluhkette an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Sie erstreckt sich vom bayerischen Oberallgäu bis in den österreichischen Bregenzerwald. Die Höhenzüge erreichen dabei über 1.800 Meter und bilden eine eindrucksvolle Landschaft aus Bergrücken, steilen Flanken, Hochweiden und tief eingeschnittenen Tobeln. Diese abwechslungsreiche Topografie schafft die Grundlage für eine große Vielfalt an Lebensräumen.

Um diese besondere Landschaft dauerhaft zu schützen, wurde das Naturpark- und Naturschutzgebiet Nagelfluhkette eingerichtet. Der zentrale Zweck des Schutzgebietes besteht darin, die natürliche Entwicklung der Landschaft, die geologischen Strukturen sowie die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren. Gleichzeitig soll der Mensch die Region weiterhin erleben können – jedoch auf eine Weise, die Natur und Umwelt respektiert. Der Schutzgedanke verbindet somit Naturschutz, nachhaltige Nutzung und Umweltbildung.

Ein wichtiger Aspekt des Naturschutzgebietes ist der Erhalt seltener Lebensräume. In der Nagelfluhkette finden sich artenreiche Bergwälder, alpine Matten, Moore, Tobelwälder und felsige Hochlagen. Diese bieten Lebensraum für zahlreiche, teils bedrohte Arten. Dazu zählen unter anderem Steinadler, Birkhuhn, Auerhuhn sowie verschiedene Amphibien und seltene Pflanzen, die auf nährstoffarme oder feuchte Standorte angewiesen sind. Durch gezielte Schutzmaßnahmen wird verhindert, dass diese sensiblen Ökosysteme durch Übernutzung, Bebauung oder intensive Forstwirtschaft geschädigt werden.

Das Schutzgebiet umfasst mehrere Regionen und Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze. In Deutschland sind vor allem Gebiete im Oberallgäu einbezogen, darunter Teile rund um Immenstadt, Oberstaufen und Missen-Wilhams. Auf österreichischer Seite gehören Flächen des Bregenzerwaldes dazu, unter anderem Gebiete in den Gemeinden Hittisau, Sibratsgfäll und Riefensberg. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist ein besonderes Merkmal der Nagelfluhkette und zeigt, dass Naturschutz nicht an politischen Grenzen endet.

Neben dem Schutz der Natur spielt auch die nachhaltige Bewirtschaftung eine wichtige Rolle. Traditionelle Almwirtschaft, extensive Weidenutzung und schonende Forstwirtschaft sind Teil des Konzepts. Sie tragen dazu bei, das charakteristische Landschaftsbild zu erhalten und gleichzeitig die wirtschaftliche Existenz der regionalen Bevölkerung zu sichern. Besucher werden durch gut markierte Wege, Informationstafeln und Besucherzentren für die Besonderheiten der Region sensibilisiert.

Die Nagelfluhkette ist somit weit mehr als nur ein Gebirgszug. Sie ist ein lebendiger Naturraum, ein geologisches Fenster in die Erdgeschichte und ein Beispiel dafür, wie Mensch und Natur im Einklang miteinander existieren können. Das Naturschutzgebiet leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser einzigartigen Landschaft für kommende Generationen.

Topografische Karte der Nagelfluhkette

vereinfachte Darstellung

1. Eckdaten der Kette

Lage: Internationaler Naturpark (Deutschland/Österreich).

Länge: ca. 24 km Gratlinie.

Höchster Punkt: Hochgrat (1.834 m).[

Gestein: Nagelfluh („Herrgottsbeton“ – verkitteter Flussschotter).

2. Der Kammverlauf (Die Gipfel-Linie)

Stelle dir eine Linie vor, die im Osten bei Immenstadt steil ansteigt und sich nach Westen zieht:

Gipfel Höhe (m) Besonderheit
Mittagberg 1.451 m Startpunkt bei Immenstadt, Sesselbahn
Bärenköpfle 1.476 m Sanfter Aussichtspunkt
Steineberg 1.660 m Lange Eisenleiter am Gipfelaufbau
Stuiben 1.749 m Markanter Grasberg
Sedererstuiben 1.737 m Zwischengipfel
Buralpkopf 1.772 m Schroffer Gratabschnitt
Gündleskopf 1.748 m Steiler Auf-/Abstieg
Rindalphorn 1.821 m Zweithöchster Gipfel, oft Steinböcke
Hochgrat 1.834 m Hauptgipfel, Pendelbahn, Gipfelhaus
Seelekopf 1.663 m Beginn der westlichen Kette
Hohenfluhalpkopf 1.636 m Bewaldete Flanken
Eineguntkopf 1.639 m Grenzgipfel zu Österreich
Falken 1.564 m Falkenhütte in der Nähe
Hochhäderich 1.565 m Ende der Kette (Österreich), Skigebiet

3. Topografisches Umfeld (Die Täler)

Nördlich der Kette (Talboden ca. 700–800 m):

Großer Alpsee: Bei Immenstadt (Osten).

Oberstaufen: Das touristische Zentrum im Nordwesten.

Weißachtal: Verläuft parallel zum Hochgrat-Massiv.

Südlich der Kette (Talboden ca. 900–1.000 m):

Gunzesrieder Tal: Tief eingeschnittenes Tal zwischen Nagelfluhkette und den Hörnerdörfern.

Autal: Ein Seitental, das zum Hochgrat führt.

Bregenzerwald: Schließt sich im Südwesten an (Österreich).

4. Relief und Charakteristik

Nordseite: Meist steile, fast senkrechte Felsabbrüche (die typischen Nagelfluh-Wände). Hier sieht man die Schichtung des Gesteins besonders gut.

Südseite: Oft steile Grasflanken („Allgäuer Grashörner“-Stil), die intensiv für die Alpwirtschaft (Sennalpen) genutzt werden.

Der Grat: Der Weg (E4 / Maximiliansweg) verläuft oft direkt auf der Schneide. An manchen Stellen (z. B. Steineberg oder Gündleskopf) ist er nur 1–2 Meter breit.

5. Wichtige Landmarken zur Orientierung

Immenstadt (Osten): Tiefster Punkt (ca. 730 m), Einstieg via Mittagbahn.

Gündlesscharte: Der tiefste Einschnitt in der Mitte der Kette – ein wichtiger topografischer „Knick“.

Staufner Haus: Schutzhütte direkt unter dem Hochgrat-Gipfel.

Hittisau (Westen): Der Zielort auf österreichischer Seite.

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